Fachberatung für Pflegefamilien

Fachberatung mit supervisorischen Anteilen für Pflege - und Adoptiveltern

Wir sehen Pflege- und Adoptiveltern als wichtige Stütze in der Landschaft der Jugendhilfe. Sie übernehmen eine bedeutsame und verantwortungsvolle öffentliche Erziehungsaufgabe im privaten Raum.

Die angenommenen Kinder, die dort z.T. mit leiblichen Kindern der Pflegeeltern aufwachsen, bringen ihre eigene Familiengeschichte und Loyalitäten mit. Eine Bindung in einer „Ersatzfamilie“ einzugehen ist für Pflege- und Adoptivkinder meist mit unbewussten Konflikten verbunden. Annahme oder Verleugnung der eigenen Herkunft und Wurzeln bringt die Kinder in ein Dilemma, das eine hohe Bereitschaft der Pflegeeltern voraussetzt, sich dieser Problemstellung zu öffnen und das Kind zu begleiten. Die Einflüsse und Prägungen der Pflegekinder in ihrer Herkunftsfamilie haben Auswirkungen auf die Gegenwart. Allein die frühe Trennung (z.B. gleich nach der Geburt) von den leiblichen Eltern kann traumatisch sein.

Erfahrungen zeigen jedoch, dass Verwahrlosung, Vernachlässigung, Gewalt- und Missbrauch in der Regel zur Herausnahme des Kindes aus der Ursprungsfamilie führen. Diese traumatischen Vorerfahrungen werden in unterschiedlichen Ausprägungen, abhängig von Entwicklungsphase und Alter, im Verhalten der Kinder sichtbar. Sie komplizieren den Erziehungsalltag und stellen Pflegeeltern vor ungeahnte Herausforderungen.

Neben den Pflegekindern schenken wir in diesem Angebot den Pflegeeltern besondere Aufmerksamkeit, die täglich mit den Auffälligkeiten und Entwicklungsdefiziten der Pflegekinder umzugehen haben. Das oft „auffällige Verhalten“ der Kinder, was in der Herkunftsfamilie als Überlebensstrategie durchaus sinnvoll und funktional war, wirkt für Außenstehende befremdlich, bedrohlich, nicht nachvollziehbar und fordert von den Pflegeeltern ein hohes Maß an Wertschätzung, Gelassenheit, Sensibilität und Zuwendung. Die Pflegeeltern müssen den Pflegekindern einen sicheren und verlässlichen Lebensort  bieten.

Die traumatischen Erfahrungen und Bindungsprobleme spielen eine besondere Rolle für das pflegeelterliche Stresserleben und verkomplizieren oft den Erziehungsalltag. Hier bedarf es eine kontinuierliche, individuelle, reflektierende, unterstützende und fachliche Anbindung. Ziel der Fachberatung mit supervisorischen Anteilen ist es, die Pflege- und Adoptiveltern in ihrer Aufgabe prozessorientiert zu begleiten. Ermutigung und Stärkung durch eine lösungs- und ressourcenorientierte Beratung soll Raum zur Entlastung geben. Pflegeeltern müssen sensibilisiert werden, für die Welt des Pflegekindes u.a. durch die Vermittlung von Hintergrundwissen besonders in Bezug auf frühe Traumatisierungen und mögliche Folgestörungen. Unerlässlich ist aber auch die Reflexion eigener Verhaltens- und Kommunikationsmuster und die stetige Überprüfung der Pflegeelternrolle. Es gilt eigene Werte, Normen und biografische Anteile zu reflektieren. Sich seiner eigenen „blinden Flecken“ bewusst zu werden, um so eine stabile Beziehung und Bindung zum Pflegkind aufzubauen. Denn nur eine tragfähige Beziehung zwischen Pflegeeltern und Pflege/Adoptivkind ermöglicht ein dauerhaftes Bestehen des Pflegeverhältnisses. Ein erneuter Beziehungsabbruch wäre gleichzusetzen mit einem erneuten „Verlassen werden“.