Mobiler Treff in der Gemeinde Bohmte

Ein Bild des mobilen Treffs
Der mobile Treff von aussen
Bedarfsbegründung

Die Gemeinde Bohmte gliedert sich in 6 Ortschaften. Demzufolge ist ein flächendeckendes Angebot von Orten, Plätzen und Räumlichkeiten der Offenen Kinder- und Jugendpflege weder finanzierbar- noch leistbar. Aufgrund der teilweise geringen Bevölkerungsdichte ist es auch nicht in jeder Ortschaft von dringlicher Notwendigkeit. Im Bereich der Offenen Jugendarbeit ist die Gemeinde Bohmte mit öffentlichen Jugendtreffs in Bohmte, Hunteburg und Herringhausen derzeit zweckmäßig ausgestattet.
Bis auf den Treff in Herringhausen richten sich die Einrichtungen hauptsächlich an Jugendliche ab dem 12. Lebensjahr. Besonders der Treff in Bohmte bietet den BesucherInnen einen großen Aufenthaltsraum und ein großes Außengelände und stellt eine zentrale Anlaufstelle für Jugendliche da. Von der mit diesen Einrichtungen angesprochenen Zielgruppe, kann eine gewisse Selbstständigkeit und Mobilität vorausgesetzt werden. Im Gegensatz dazu kann diese eigenständige Mobilität von Kindern im Alter von 6-12 Jahren nicht erwartet werden. Auch die Jugendlichen aus Herringhausen haben vor Ort keine Möglichkeiten sich an einem zentralen Ort zu treffen. Deswegen ist es notwendig für Kinder, aber auch für Jugendliche außerhalb des Ortskerns, dezentrale altersgerechte Angebote in den einzelnen Ortschaften zu schaffen. Der Einsatz eines Mobilen Treffs hilft dabei Lücken innerhalb der sozialen Infrastruktur einzelner Ortschaften, in denen vergleichbare stationäre Angebote fehlen, zu schließen. Um dieses zu gewährleisten, fährt der Mobile Treff öffentliche Plätze, Grünflächen, Dorf – oder Spielplätze an, um den Kindern einerseits neue Erfahrungs- und Spielräume und den Jugendlichen andererseits eine Anlaufstelle in ihrem sozialen Nahraum zu erschließen. Darüber hinaus, kann die Anbindung des Mobilen Treffs an die kommunale Jugendarbeit und somit an den Jugendtreff als Chance gesehen werden, den Aktionsradius des Jugendtreffs bzw. der kommunalen Jugendarbeit beträchtlich zu erweitern.  Somit begreift sich der Mobile Treff als Teil der Landschaft der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Bohmte. Neben den erwähnten örtlichen und strukturellen Gegebenheiten die für den Einsatz eines Mobilen Treffs sprechen, nehmen auch zunehmend gesellschaftliche Faktoren negativen Einfluss auf Kinder und Jugendliche. Freizeitmöglichkeiten werden heute zunehmend geringer, schwieriger bzw. eingeschränkter. Stichworte hierfür wären konsumorientiertes, passives Freizeitverhalten (TV, Internet, Konsolen), Umweltverplanung, sterile öffentliche Plätze, ungeeignete Wohnungen oder frühzeitige und hohe Leistungsforderung, Tendenz zur Isolation in Kleinfamilien usw. Ein Wohnwagen als mobilen Treff trägt dazu bei, diesen Tendenzen entgegen zu wirken. Der Mobile Treff versteht sich folglich als ein offenes Angebot, bei dem Kinder und Jugendliche jederzeit selbst bestimmen, in welchem zeitlichen Rahmen sie an welchen Angeboten teilnehmen (ohne Zwang, Leistungs- oder Gruppendruck).

Definition „Mobiler Treff“

Der Mobile Treff ist im Aufgabenfeld der Mobilen Kinder- und Jugendarbeit verankert. Ein „Mobiler Treff“ bietet vielfältige Ansatzpunkte und Möglichkeiten, den Bedürfnissen und Interessen jener Kinder und Jugendlichen gerecht zu werden, an denen andere Angebote Sozialer Arbeit vorbeigehen bzw. die sich von einrichtungsgebundenen Angeboten distanzieren. Als flexibler und niedrigschwelliger Arbeitsansatz leistet der Mobile Treff einen Beitrag zur Verbesserung des komplexen Hilfeangebotes für Betroffene durch

  • Die (Wieder)Aufnahme von Beziehungen zu Zielgruppen, die ansonsten kaum oder gar nicht von Hilfeangeboten bzw. pädagogischen Aktivitäten erreicht werden
  • Das Angebot praktischer Lebenshilfe vor Ort, denn sie ist in den Lebensräumen und –welten der Zielgruppe präsent und unmittelbarer Ansprechpartner für die großen und kleinen Probleme der Kinder und Jugendlichen
  • Das Bemühen, Lebensräume für die Zielgruppe zu schützen und zu erhalten
  • Die Möglichkeit, direkte Krisenintervention und Deeskalation im Vorfeld von Konflikten zu leisten, wie z.B. bei drohenden Auseinandersetzungen zwischen Jugendgruppen
  • Die Initiierung von Freizeitaktivitäten, die direkt und unmittelbar an den Wünschen, Bedürfnissen und Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen anknüpfen
  • Die Übernahme einer brückenschlagenden Funktion im Hilfesystem vor Ort, mit dem Abbau von Schwellenängsten, der Vermittlung spezialisierter Dienste auf Wunsch und nach Bedarf, sowie der Vernetzung fachspezifischer Einrichtungen (z.B.  sozial-psychologischer Dienst, Erziehungsberatung, Pro-Familia,…)

Das pädagogische Konzept des mobilen Treffs ist die Betonung des freien, aktiven Raums und vielfältiger Möglichkeiten zur Freizeitbeschäftigung. Es beinhaltet konkretes Tun, Fantasie, Neues kennen lernen und erforschen, Kontakte aufnehmen und sich in Gruppen zurechtfinden, Konflikte austragen, eigene Erfahrungen und Interessen ausdrücken und miteinander Spaß zu haben. Es fördert unter anderem die Fähigkeit zu kooperativem Handeln, soziale Aufgeschlossenheit und Kompetenz.

Neben dem pädagogischen Hintergrund bildet die Mobilität, die zweite wesentliche Komponente. Kinder und Jugendliche brauchen Anlaufstellen und somit Möglichkeiten zum sozialen Austausch überall da, wo ihr Alltag stattfindet bzw. wo sie in ihre Umwelt hineinwachsen sollen.

Mobilität bedeutet äußere wie innere Flexibilität, d.h. die vielfältige Nutzung des ländlichen Raums, den planbaren Variantenreichtum sowohl inhaltlicher, örtlicher und zeitlicher Einsätze. Der Mobile Treff kommt direkt zu den Kindern und Jugendlichen, in ihre Wohn- und Lebenswelt, um ihnen diverse Angeboten (z.B. Spielmaterialien für Kinder, Freizeitangebote für Jugendliche) anzubieten und ihnen einen Raum für eigene Ideen zu geben.

Der Mobile Treff versteht sich als notwendige Ergänzung bzw. Erweiterung von stationären Einrichtungen. Dabei liegt der Blickwinkel vor allem darauf, defizitäre Strukturen (z.B. fehlende Spielanreize für Kinder und Angebote für Jugendliche im öffentlichen Raum) zu verbessern. Die Offenheit steht für Angebote, die grundsätzlich offen und zugänglich für alle Kinder und Jugendlichen sind, unabhängig von Fähigkeiten, Religionen oder kulturellen Zugehörigkeiten. Die Ausstattung des mobilen Treffs ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. Der Treff muss an den jeweiligen Aktions-Orten die erforderlichen Materialien liefern, um zielgruppenspezifisch arbeiten zu können. Ebenfalls besteht die Möglichkeit den mobilen Treff thematisch zu bestücken, um z.B. Projekte mit Kindergärten, Schulen, Vereinen oder anderen Institutionen anzubieten. Die Materialien sind vielfältig und reichen von Spielangeboten für Kinder (Bewegungsspielzeug, Kreativmaterial,…) und Angebote für Jugendliche (Jugend Café, Kicker Tisch, Chill-Ecke, Gesellschaftsspiele,…). Die inhaltliche Ausstattung sollte sich an den örtlichen Gegebenheiten und pädagogischen Zielen anpassen. Der Vorteil hierbei ist, dass das Repertoire des mobilen Treffs kontinuierlich aufgestockt werden kann. Des Weiteren kann der Mobile Treff für Freizeitevents in Form von Wochenendausflügen, Tagesausflügen, Ferienfahrten usw. genutzt werden.

Zielgruppe

Die klassische Zielgruppe der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bilden Jugendliche ab 14 Jahren, wobei hier den Kindern im Alter von 6-12 Jahren einmal in der Woche die Möglichkeit gegeben wird, in Form eines „Kindertages“ in die Jugendtreffarbeit hinein zu schnuppern. Gleichermaßen soll der Mobile Treff als Anlaufstelle für alle Kinder und Jugendlichen der Gemeinde Bohmte funktionieren. Weiterhin sollen mithilfe des mobilen Treffs Kinder und Jugendliche aus Aussiedler- bzw. Migrantenfamilien angesprochen werden, die im geringeren Maße durch Vereine oder Verbände erfasst werden. Diese Gruppe ist im Verhältnis zu den einheimischen Kindern und Jugendlichen seltener Mitglieder in Vereinen oder Verbänden. Der Mobile Treff leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit.

Die Rolle des Pädagogen

Der Mobile Treff ist, vergleichbar mit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, ein Angebot, was die Freiwilligkeit der Teilnahme der Kinder und Jugendlichen beinhaltet. Somit steht das freie Agieren im Vordergrund. Die Rolle des Pädagogen liegt somit in der Begleitung und Anregung der Kinder und Jugendlichen – von einer Betreuung wird bewusst nicht gesprochen. Folgende Aufgaben des Pädagogen kommen den BesucherInnen zu Gute:

  • Starthilfe leisten
  • Bereicherung und Ausdifferenzierung der Angebote durch individuelle Anregungen und Vermittlung von Kenntnissen, Fertigkeiten und Erlebnissen
  • Ausübung einer Schutzfunktion (vor allem bei den Kindern
  • Hilfe bei Konflikten und Problemen
  • Hilfe zur Kontaktaufnahme
  • Zusicherung von Individualität
  • Zielgruppenspezifische lebensweltnahe Interventionen (Deeskalationsstrategien, Partizipationsmöglichkeiten,…)
  • Lobbyarbeit (z.B. bei Medien)
  • Nutzerangemessene (Um-)Gestaltung des Angebots

Das komplexe Arbeitsfeld bedingt wie bei anderen sozialen Arbeitsfeldern umfangreiche fachliche und persönliche Kompetenzen, welche nicht näher erläutert werden müssen.

Organisation

Der Mobile Treff soll ganzjährig zum Einsatz kommen. Statistiken zeigen, dass die Kinder- und Jugendtreffs der einzelnen Ortschaften in den Sommermonaten weniger aufgesucht werden, so dass der Mobile Treff vermehrt im Sommer unterwegs sein wird. Die genauen Einsatzzeiten und die Einsatzorte müssen jährlich neu ermittelt und dem Bedarf angepasst werden. Die Angebote sollen für die Zielgruppe der 6-12 jährigen im Nachmittagsbereich und für die 12-18 jährigen im Abendbereich stattfinden. Je nach Bedarf variieren die Zeitstunden bei der zuletzt genannten Zielgruppe. Sinnvoll ist es, die Ortschaften der Gemeinde Bohmte regelmäßig anzufahren, um ein verlässliches Angebot darzustellen. Als Standort ist eine möglichst große Fläche erforderlich, um oben genannte Angebote anbieten zu können. Idealerweise sollten Strom, Wasser und Toiletten vor Ort vorhanden sein. Für eine problemfreie Durchführung des mobilen Treffs sollte dem Pädagogen vor Ort ein Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Personaleinsatz

Die Organisation und Planung, sowie Teamsitzungen und Teamfortbildungen des Mobilen Treffs werden von dem hauptamtlichen Jugendpfleger der Gemeinde übernommen. Die praktische Begleitung und Umsetzung wird von dem mobilen Jugendarbeiter und von Honorarkräften bzw. Jugendgruppenleitern geleistet werden. Der Mobile Jugendarbeiter als feste Person einzuplanen ist vorteilhaft, da so ein Beziehungsaufbau, Vertrauen, Toleranz und Akzeptanz zwischen den Beteiligten gewährleistet wird. Ein Zugriff auf ein Mitarbeiterpool erscheint in diesem Sinne als ungeeignet.

Darüber hinaus wird angestrebt, dass ortsansässige Gruppen, Vereine, Verbände usw. als Kooperationspartner gewonnen werden und eigenes Personal zur Verfügung stellen. Bei den Einsätzen müssen mindestens zwei Personen vor Ort anwesend sein. Deswegen ist es wichtig, eine feste Person von der kommunalen Jugendarbeit vor Ort zu haben, die die Abläufe und inhaltliche Ausstattung des mobilen Treffs genau kennt.

Einsatzmöglichkeit

Der Mobile Treff wird bei Aktionen wie dem Hunteburger „Open-Air“, Schützenfeste, Menschen in Bohmte, Bohmter Markt usw. eingesetzt werden. Diese „Sondereinsätze“ dürfen jedoch nicht die Regel darstellen und müssen vor Ort professionell begleitet werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Mobile Treff als Belustigungsobjekt betrachtet wird und die eigentliche Intention und Aufgabe an Bedeutung verliert.

Ebenso ist angedacht, neben den regulären Einsätzen, den Mobilen Treff ortsansässigen Gruppen, Verbänden, Vereinen sowie Kirchen für eigene Feste und Projekte gegen eine Gebühr auszuleihen. Der Veranstalter muss hierfür nachweisen, dass sein Personal geschult ist, d.h. erfahrene Ehrenamtliche, Jugendgruppenleiter usw.

Finanzierung des Mobilen Treffs

Gefördert wurde der Mobile Treff durch:

  • die Lotto-Sport-Stiftung
  • Generation 2.0
  • das paritätische Jugendwerk
  • FuA- Mittel des Jugendamts Osnabrücks
  • Lions Clup
Ein Bild des mobilen Treffs
Der mobile Treff von innen
Logo vom Mobilen Treff
Mobiler Jugendtreff in Bohmte